Geschichte aus der Pfarrei- und Kirchen von Neuses am Berg (1)
 

 

Älteste Geschichte des Ortes Neuses am Berg bis zur Einführung der Reformation Im Jahre 1582

 

Über die Entstehung und allmähliche Bildung des Ortes ist nichts Zuverlässiges bekannt. Die angenehme Lage auf dem Hügel am Mainstrom, die Güte und Fruchtbarkeit

des Bodens wird ziemlich früh Anlass gegeben haben zu einer Ansiedelung, zu einem „neuen Sitz" auf dem Berge. Der Ort war zu verschiedenen Zeiten auch Wohnsitz von Edelleuten, welche zum Teil auch liegende Gründe besaßen, aber weder eine Herrschaft noch Gerichtsbarkeit ausübten. Sie waren bloße Private

und wohnten in größeren Bauernhäusern. Von einem ehemaligen Schloss findet sich keine Spur. Die Bewohner trieben vorzugsweise Weinbau, ringsum

Waldungen, darum Ackerbau zu Anfang des 18. Jahrhunderts noch ganz unbedeutend. Die weltliche Herrschaft war im Anfang des 16. Jahrhunderts sehr geteilt.

Der Markgraf von Brandenburg-Ansbach hatte 32 Untertanen, das Hochstift Würzburg 26, mit Einschluss von 11 Halbmännern (halb ansbachische und halb würzburgische Untertanen), die Abtei Münsterschwarzach 10 und die Familie von Crailsheim 5, im ganzen 73 Bürger.

 

Die centbarliche Obrigkeit gehörte Ansbach allein, die teiliche Ansbach und Würzburg gemeinsam. Jeder Grundherr hatte seinen eigenen Schuhheißen.

Das Dorfgericht (Schultheißen, Bürgermeister, Gotteshausmeister und noch einige Deputierte aus der Gemeinde) besorgte die öffentlichen Angelegenheiten,

hielt auf Ordnung und Zucht und übte die der Gemeinde zustehenden Gerechtigkeiten. Die Vielherrschaft gab Anlass zu vielen Streitigkeiten. Im Jahre 1417 wurde

die Pfarrei von einem Pfarrer Schickbold zu Prosselsheim und einem Edelmann zu Neuses am Berg, Johannes von Stein und von mehreren Gemeindegliedern gegründet und hieß „Vicarie St. Nicolai'. Die Kirche scheint schon bestanden zu haben. Die kleine Gemeinde besaß in kirchlicher Hinsicht große Freiheiten.

Sie wählte ihren Pfarrer nach eigenem Gutdünken, bestätigte ihn und setzte ihn auch wieder ab, wenn sie es für gut fand. Mit dem gewählten Pfarrer wurden

Verträge auf 3 - 6 Jahre abgeschlossen. Infolge dieser Freiheiten konnte die Reformation frühzeitig und ungehindert Eingang in der Gemeinde finden. 1567 kam

der Kaplan Andreas Imhof nach Neuses.

 

Er kam von Volkach. Er wurde durch Polycarpus Müller von Mainstockheim in der neuen Lehre vorbereitet. Schon 1570 wurde er von der Gemeinde aufgefordert,

das hl. Abendmahl unter beiderlei Gestalt aber noch mit lateinischer Messe auszuteilen und andere kirchliche Missbräuche zu entfernen. 1574 schaffte er auf „Anhalten der Gemeinde" auch die lateinische Messe ab und führte die brandenburgische Kirchenordnung ein. Er erklärte, sich der Bibel und augsburgischen Konfession gemäß zu verhalten. 1588 sprach die Gemeinde den Wunsch aus, Brandenburg möge die jährliche Kirchenvisitation anordnen und vornehmen lassen,

weil kein Bürger und Einwohner noch Kinder derselben in Neuses seien, die päpstlicher Lehr und Leben anhängig". Bald wurde die evangelische Religion von

äußeren Gefahren bedroht. Julius Echter (1573-1617) war ein Gönner der Jesuiten und unversöhnlicher Feind der Evangelischen. Große Erbitterung bestand über

die reißenden Fortschritte der Reformation. Selbst die Residenzstadt Würzburg war zur Hälfte evangelisch. Ermahnungen und Drohungen blieben nutzlos.

Er durchzog 1585 sein Land, predigte, hielt christliche Lehre und wollte die Abtrünnigen bewegen, der verhassten Ketzerei zu entsagen.

 

Dann wandte er schonungsloseste und härteste Strafen an. 120 evangelische Pfarrer wurden aus dem Lande verjagt, die evangelischen Gemeinden schwerer Verfolgung preisgegeben. Sie sollten gezwungen werden, zurückzukehren. Viele kehrten zurück, andere zogen aus dem Land, Hab und Gut zurücklassend.

Neuses lag im bischöflichen Gebiet, Julius war Condominatsherr: Bis jetzt keine Gewalttätigkeiten wegen der Mitherrschaft Brandenburgs. Die Gemeinde war

aber in großer Sorge und darum übergab die ganze Gemeinde am 6. April 1 589 in einem eigenen Übergabsbrief ihre Kirchen-, Pfarr- und Schulgerechtigkeiten

dem Markgrafen Georg Friedrich zu Brandenburg-Ansbach. Dieser übernahm den Schutz des Glaubens gegen alle feindlichen Angriffe. Pfarrer Imhof wurde dem brandenburgischen Kapitel Kitzingen zugeteilt und starb am 29. November 1607 an der Pest. Der neue Pfarrer M. Simon Stibar aus Schwabach wurde vom Konsistorium zu Ansbach examiniert, ordiniert und am 3. Januar 1608 durch den brandenburgischen Dekan und Kastner von Kitzingen als Pfarrer zu Neuses

ohne Einspruch von Würzburg öffentlich installiert.

 

Anmerkung:

Der Text stammt aus Neuseser Familienbesitz. Autor und Jahr der Niederschrift sind nicht bekannt.

Übertragen von Frau Walburg Dönges

 

 

 

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