Geschichte aus der Pfarrei- und Kirchen von Neuses am Berg (2)
 

 

Vertreibung des Pfarrers Codomann im Jahre 1628

 

Von Brandenburg wurde 1621 M. Georg Codomann von Kitzingen als Pfarrer nach Neuses berufen. Bald nach seinem Antritt trugen sich zwei folgenschwere Ereignisse zu. 1624 war die ganze Gemeinde evangelisch und als solche im ausschließlichen Besitze der Kirche und der Kirchengüter gewesen. 1622 unternahmen die Ostheimer Wal Leute eine Prozession in das Wallfahrtskloster Dettelbach. Sie zogen singend und mit Fahnen, wie sie es aus früherer Zeit gewohnt waren,

durch Neuses. Codomann erfuhr davon und hinderte ihren Rückzug dadurch, dass er die Tore schließen ließ. Ebenso wurde 1623 der Wallgang durchs Dorf

verhindert. Das zweite Ereignis war weit ernstlicher. Der katholische Edelmann Adam Echter ließ 1628 durch seinen evangelischen Schwiegersohn Wilhelm von Detmer den Codomann zu sich bitten, dass dieser ihm Trost in seiner schweren Krankheit spende. Codomann kam diesem Wunsch nach und wiederholte auf Verlangen seine Krankenbesuche. Unmittelbar nach einem solchen Krankenbesuche, als er eben in die Kirche zum Gottesdienst will, wird ihm berichtet, dass zwei Bettelmönche von Dettelbach hinten über den Dorfgraben durch den Zaun welches in der Dorfs Ordnung bei Strafe verboten war in das Echtersche Haus geschlichen seien.

 

Er begibt sich sogleich mit dem brandenburgischen Schultheißen Wisner und dem Schulmeister Ringelmann dahin und findet die beiden Mönche mit ihren Büchern

in der Hand vor dem Krankenbette stehen. Codomann protestiert gegen diesen unbefugten Eingriff in die Neuseser Pfarr Gerechtsame, welche unwidersprechlich

dem Markgrafen zu Ansbach zuständen. Sie dagegen erwidern, sie wären da, um zu trösten, nicht als Pfarrer, sondern als Freunde, als Privatpersonen, sie hätten keine kirchliche Handlung vollzogen.

 

Es kommt zu erbitterten Reden. Codomann kündigt den beiden Mönchen Arrest an und will sie ins Rathaus abführen lassen. Die Mönche protestieren und berufen sich darauf, dass sie in einem würzburgischen Lehenshause sind. Da man sie trotzdem wegfahren will, setzen sie sich zur Wehr und werden in dem Hause des Echter in Haft behalten. Codomann eilt sogleich mit dem brandenburgischen Schulzen nach Kitzingen und macht Anzeige. Der Cent Schreiber geht mit ihnen

nach Neuses.

 

Aber unterdessen hat der Würzburger Keller zu Dettelbach die beiden verhafteten Mönche mit 200 Dettelbacher Bürgern befreit und im Triumph nach Dettelbach zurückgeführt. Durch diese beiden Vorkommnisse, die die Ansbacher Regierung keinesfalls billigte, gereizt, trat Würzburg mit alten Ansprüchen wieder hervor und behauptete, von jeher im Besitze der alleinigen Kirchenherrschaft von Neuses gewesen zu sein, wie oft noch diese Behauptung widerlegt werden möchte.

Diese beiden Ereignisse erregten auch in der Umgebung bei den Katholiken die heftigste Erbitterung gegen die Evangelischen zu Neuses. Auch Würzburg begann aufs Neue seine Feindseligkeiten gegen sie. Besonders richtete sich der Hass gegen den Pfarrer Codomann. Der damalige Bischof zu Würzburg Philipp Adolph

war wie Julius Echter ein fanatischer Eiferer (1623-1631) gegen die Evangelischen. Wer durch Feuer und Schwert die Hexen verfolgte, so zog er auch gegen die Reformation und ihre Anhänger zu Felde und trachtete sie mit der Wurzel in seinem Land auszurotten. Er achtete keinen rechtmäßigen Besitzstand und ließ sich auch durch kaiserliche Verbote nicht von seinen blutigen Verfolgungen abhaken. Auch Neuses musste seinen Grimm erfahren. Am 16. März 1628 erschien auf

Befehl seines Herrn der Keller von Dettelbach mit dem katholischen Dekan von Dettelbach, zwei Klostergeistlichen und 200 bewaffneten Stadtausschüssem vor Neuses. Das Untere Tor, welches verschlossen war, ließ er gewaltsam aufsprengen und das Dorf mit Bewaffneten umringen.

 

Dann ritt er in den Pfarrhof, um dem Pfarrer seine Absetzung kundzutun. Codomann war zum brandenburgischen Schultheiß geflüchtet. Der Keller drang mit seinen Leuten gewaltsam in die Kirche und ließ zu einem katholischen Gottesdienst läuten. Der Dekan von Dettelbach hielt die Messe. Die Predigt wurde von demjenigen Geistlichen gehalten, der von jetzt an als neu eingesetzter katholischer Pfarrer zu Neuses betrachtet werden sollte. Codomann wurde gezwungen, sein Amt niederzulegen.

 

Er fühlte sich nicht mehr sicher in Neuses und fuhr auf dem Main nach Kitzingen. Die Gemeinde wandte sich in ihrer Notlage und Verlassenheit mit einem rührenden Bittschreiben an den Markgrafen von Ansbach und bat dringend um Schutz. Würzburg hatte bereits seinen evangelischen Untertanen in Neuses befohlen, den katholischen Gottesdienst zu besuchen. Ansbach legte nur einen feierlichen Protest ein, welcher am 29. März 1628 vom brandenburgischen Rat und Amtmann zu Kitzingen und Uffenheim, Claus Conrad von Bolach im Namen seines Herrn, im Pfarrhofe zu Neuses vor dem eingesetzten katholischen Geistlichen und in Dettelbach vor dem Hause des würzburgischen Beamten eingelegt wurde. Codomann kehrte nicht zurück, seine Stelle wurde durch einen evangelischen Geistlichen nicht mehr besetzt. Die Gemeinde blieb verwaist.

 

 

Anmerkung:

Der Text stammt aus Neuseser Familienbesitz. Autor und Jahr der Niederschrift sind nicht bekannt.

Übertragen von Frau Walburg Dönges

 

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