Geschichte aus der Pfarrei- und Kirchen von Neuses am Berg (3)
 

 

Bedrängte Lage der Gemeinde vorn 1628 bis 1651

 

Die Kirche war den Evangelischen entrissen und ihrem Gottesdienst verschlossen. Die Schule ging ebenfalls für sie verloren. Der Unterricht unterblieb. Der redliche Schulmeister Ringelmann musste weichen und einem katholischen Platz machen. Es folgten Hausandachten oder der Besuch auswärtiger Kirchen. Den würzburgischen und schwarzachischen Untertanen wurde befohlen, die katholischen Messen, Predigten und Kinderlehren zu besuchen. Im Weigerungsfalle wurden härteste Geld- und Gefängnisstrafen verhängt. Weiber, welche die katholischen Feiertage nicht feiern wollten, bekamen die Geige. Die brandenburgischen Untertanen wurden auf andere Weise bedrückt. Man wollte sie nicht in die auswärtigen, evangelischen Kirchen gehen lassen. Sie wurden abgefangen von Dettelbach und Untereisenheim. Allen Mainfährern war bei Strafe verboten, an gottesdienstlichen Tagen Evangelische von Neuses überzufahren (Eichfeld, Prichsenstadt, Kleinlangheim). Die Evangelischen durften den Friedhof an der Kirche nicht mehr benutzen. Sie begruben ihre Toten auf einem gemeinsamen Feld vor dem oberen Tore.

 

Der Deputationsschluss von 1650

1650 schien endlich die Stunde der Erlösung für die Evangelischen zu schlagen und eine bessere Zeit zu beginnen. Nach beendetem 30jährigen Krieg und infolge

des Westfälischen Friedens fällte die im Jahre 1650 zu Nürnberg niedergesetzte kaiserliche Executionsdeputation im Betreff der so genannten elf strittigen Pfarreien zwischen Ansbach und Würzburg, zu denen auch Neuses gehörte, folgendes Urteil: „In Sachen Herrn Albrechten Markgrafen zu Brandenburg-Onolzbach, Kläger einerseits wider Herrn Johann Philippen, Erzbischöfen zu Mainz und Kurfürsten als Bischöfen zu Würzburg, Beklagten andernteils, die Bestell- und Anordnung des Pfarrsatzes, wie auch der Pfarr-Ehrsamen, Ordination, Investitur, Visitation, dann deren Korrektion, Ein- und Absetzung, auch anderer der geistlichen Jurisdiktion angehörige Jura, bei den Pfarrern zu Neuses ufm Berg, Wielandsheim, Gülchsheim und dessen Filialen Hemmersheim, Hohenfeld, Schemau, Albertshofen,

Rödelsee, Mainstockheim und Buchbrom (dergleichen Meinung es auch mit Rinderfeld hat) betreffend wird auf beiden Teilen beschehene schriftliche und erfolgte Submission zu Recht erkannt, dass hochgemeldeter Herr Markgraf zu Brandenburg Onolzbach der prätendierten Pfarrbestellung und Anordnung des Pfarrsatzes,

dann der Pfarrers- Examinier-Investier-Ordinier-Visitier-Korrigiert ­Ein- und Absetzung, auch anderer in Acts spezifizierter der geistlichen Jurisdiktion anhängender Actum und Jurium in ob genannten Dorfschaffen und derselben Pfarrern, vermöge des Friedensschlusses, keineswegs befugt oder berechtigt, daher sich dessen

zu enthalten schuldig sei. Als wir dann hochgedachte Klage besagte Ihro Hochfürstliche Gnaden als Bischof zu Würzburg von der angestellten Kla­ge absolvieren

und erledigen. jedoch soll den Untertanen in gedachten Pfarreien freistehen, das Examen, Ordinationen, Investitur am und andere ob benannte Acts jurisdictionis ecciesiasticae ihrer, der augsburgischen Konfession zugetanen Pfarrern, so viel sie deren anno 1624 zu tun erweislich in Gebrauch gewesen bei erstgedachten Konfession-Verwandten, Ständen, Consistoriis oder Ministeriis jedes Mal wo und bei wem es ihnen beliebt, ohne Obligation und Konsequenz zu suchen, zu

begehren und zu vernehmen zu lassen, es wäre denn, dass sie sich mit ihrem Landesfürsten selbsten eines anderen gewissen Modi hierunter vergleichen täten.

5. November anno 1650." Vorstehendes Urteil war für das Haus Brandenburg und damit auch für die Evangelischen in Neuses sehr ungünstig, weil darin dem Hause Brandenburg alle im Jahre 1588 ihm von den Evangelischen übertragenen Kirchengerechtigkeiten abgesprochen wurden.

 

Doch musste Würzburg den Evangelischen die diesen entrissenen Rechte Weder zurückgeben, welche sie erweislich im Jahre 1624 besaßen. Die Rückgabe

erfolgte aber nur teilweise. Obwohl die Gemeinde zu verschiedenen Zeiten den Beweis beibrachte, dass Neuses 1624 ganz evangelisch war, dass sie vor, in und

nach dem Entscheidungsjahr das Recht hatte, ihren Pfarrer und Schulmeister jederzeit frei wählen, ein und absetzen zu dürfen, dass sie im ausschließlichen

Besitze der Kirche, Schule und des Gotteshausvermögens sich befand, so gab dennoch Würzburg diesem geführten Beweise keine vollständige Folge.

Die Gemeinde durfte wieder einen eigenen Pfarrer haken, Würzburg behauptete aber die oberste Kirchenherrschaft und riss das Recht der Bestätigung der

Ein- und Absetzung an sich.

 

Es öffnete die Kirche wieder dem evangelischen Gottesdienst, führte aber das Simultaneum ein. Auch ein evangelischer Schulmeister durfte wieder angestellt

werden, Würzburg setzte aber zugleich auch einen katholischen ein, teilte ihm von der bisherigen, dem Protestanten zuständigen Schulbesoldung so viel zu,

als ihm gut dünkte und nahm den Mitgebrauch der Schule in Anspruch. Ebenso eigenmächtig verfügte es über das Gotteshausvermögen zu Gunsten des

katholischen Religionsteiles. Der letztere hatte sich nach und nach durch die Bestrebungen Würzburgs und seiner Beamten zu Dettelbach wieder in der Gemeinde gebildet. Er zählte aber nur wenig Glieder. 1650 waren unter 35 haussässigen Untertanen nur 5 würzburgisch katholisch. Das war die Restitution, welche Würzburg dem. Deputadonsschluss gemäß leistete.

 

Anmerkung:

Der Text stammt aus Neuseser Familienbesitz. Autor und Jahr der Niederschrift sind nicht bekannt.

Übertragen von Frau Walburg Dönges

 

 

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