Geschichte aus der Pfarrei- und Kirchen von Neuses am Berg (4)
 

 

Kirchenvergleich von 1784

 

1765 wurde Johann Tobias Weidenbacher Pfarrer zu Neuses am Berg. Er besaß einen großen Verstand, allseitige Kenntnisse, seltene Gewandtheit in Behandlung der strittigen Punkte zwischen Evangelischen und Katholischen und Mut, Kraft und Ausdauer. Er betrieb den schon längst beim Reichskammergericht zu Wetzlar anhängigen, das Eigentum der Kirche, Schule, Gotteshausvermögen sowie Kirchen­ und Pfarrgerechtigkeiten zu Neuses betreffenden Prozess mit großem Eifer

und führte auch ununterbrochen Verhandlungen mit dem Rechts-Konsulenten Hartlaub, dem gemeinschaftlichen Sachwalter aller gravierten evangelischen

Gemeinden bei dem Corpus evangelicorum zu Regensburg. Er war ein geschulter und kräftiger Verteidiger der kirchlichen Rechte seiner Gemeinde. Schon 1766

 hatte er Zänkereien mit dem unruhigen katholischen Schulmeister über die Einhaltung der gottesdienstlichen Zeit in der Kirche geschlichtet.

 

Katholische Übergriffe führten zahlreiche Reibungen herbei. Es war eine beständige Kriegszeit. Der Prozess lief unterdessen ununterbrochen fort, er musste auf umständliche und verzögerte Art geführt werden (durch das Kastner Amt zu Kleinlangheim an die Regierung nach Ansbach zur Einholung des Gutachtens, dann

nach Regensburg, wo die strittige Sache instruiert, geprüft und juristisch begründet wurde und von da nach Wetzlar, welches ebenfalls sehr langsam arbeitete).

1776 übergab Hartlaub die Hauptbeschwerdeschrift gegen Würzburg an das Reichskammergericht (besonders betont das Jahr 1624), 1778 Gegenschrift Würzburgs, 214 Seiten lang. Die Klage der evangelischen Gemeinde wurde von Wetzlar abgeschlagen. Da die Ansbacher Regierung schon früher zum Vergleich geraten hatte, wurde nach zahllosen Kämpfen und Mühen ein solcher unter Leitung des geistlichen Rates Dr. Günther als hochfürstlich Würzburgischer Commissarius in Neuses

am 2. September 1783 abgeschlossen. Am 28. Mai 1784 urkundlich abgefertigt und am 7. Juni 1784 von dem Bischof Franz Ludwig bestätigt.

 

Die Evangelischen erhielten den alleinigen Besitz der Kirche und Schule, des Turmes, der Glocken, der Uhr, der liegenden Gotteshausgüter, Lehen-, Zins- und Handlohnrechte. Die Katholiken erhielten die vorhandenen Gotteshauskapitalien (ungefähr 2100 Gulden), die vorrätigen Weine mit dem Keller und den Fässern. Außerdem wurde ihnen gestattet, an einem passenden Platze auf Gemeindegrund- und Boden eine neue Kirche und Schule erbauen zu dürfen. Die Gemeinde

behielt das Recht der freien Wahl und der Wederabsetzung des Schullehrers.

Über die oberste Kirchenherrschaft, Bestätigung und Einsetzung des evangelischen Pfarrers wurde in dem Vergleich nichts bestimmt. 1783 lasen die Evangelischen nach 120 Jahren zum ersten Mal wieder den Gotteshausweinberg am Kies und ernteten 38 Eimer Most. Der Kirchenprozess hatte 130 Jahre gedauert.

 

Kirche und Schule, seit 1628 Gegenstände eines unausgesetzten Streites, waren nun wieder Eigentum der evangelischen Gemeinde, aber der Turm war dem

Einsturz nahe und das Schulhaus durchaus schadhaft. Die Gemeinde besaß zum Bauen keine Mittel Die ansbachische und würzburgische Regierung genehmigten eine Kollekte. Die Kollekten in den beiden Fürstentümern Ansbach und Bayreuth betrugen ungefähr 1774 fl (Gulden). Der Markgraf gab außerdem noch ansehnliche Gnadengeschenke (einer derselben betrug 400 fl). Auch die benachbarten evangelischen Ortschaften spendeten reichliche Gaben. Am 2. Juni 1785 wurde mit dem Einlegen des Turmes begonnen. Am 10. Juli 1785 wurde der Grund zum neuen Turm gelegt durch: Johann Tobias Weidenbacher, Pfarrer all hier und in Schemau, Johann Georg Lindner, Brandenburgischer Schultheiß, Andreas Wendel Müller, Schwarzacher Schultheiß, die Gerichtsverwandten Martin Weißmann, Konrad Stier und Konrad Göbel, Johann Michel Richter, Bürgermeister, Georg Jakob Schüppel, Schullehrer, die Gemeinde ältesten Johann Martin Pfeufer und Georg Jakob Krauß, Andreas Kemmeter, Gotteshauspfleger.

 

Am 8. November 1785 wurde das Holzwerk aufgerichtet. Dabei wurde ein feierlicher Gottesdienst abgehalten. Am 22. April 1786 wurden der vergoldete Knopf und

die Fahne auf dem Turm angebracht. Der ganze Bau ist von wohltätigen Beisteuern evangelischer Christen, besonders aber durch den edelmütigen Beitrag des durchlauchtigsten Fürsten und Herrn Christian Friedrich Kari Alexander, glorwürdigst regierenden Markgrafen zu Brandenburg, Ansbach und Bayreuth, ohne die geringsten Unkosten der evangelischen Bürgerschaft all hier, welche ohnehin Fronden übernommen hatte, vollführt worden. Am 6. Juli 1786 wurde der Bau der

neuen evangelischen Schule auf dem Platze der alten, neben der Kirche aufgerichtet. Bisher war die alte Schule von dem katholischen Schullehrer bewohnt worden, während der evangelische in einem Miethause, einem nassen, kalten Winkel wohnen musste. Auch dieser Bau wurde durch Gaben mildtätiger Menschen aufgeführt. Am Michaelistage zog die Schuljugend mit ihrem Lehrer Georg Jakob Schüppel, in Begleitung der Schuhheißen und der übrigen Gerichtsverwandten feierlich in die Kirche und von da aus in die in die Kirche angebaute Schule. Die Kinder bekamen Semmeln und Wein.

 

 

Anmerkung:

Der Text stammt aus Neuseser Familienbesitz. Autor und Jahr der Niederschrift sind nicht bekannt.

Übertragen von Frau Walburg Dönges

 

 

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