Geschichte aus der Pfarrei- und Kirchen von Neuses am Berg (5)
 

 

1797: Übergabe der Kirchen- und Pfarrgerechtigkeit an Preußen

 

Durch den Kirchenvergleich von 1784 war über die oberste, zwischen Ansbach und Würzburg strittige Kirchenherrschaft nicht entschieden worden. Die Evangelischen fürchteten daher neue Religionsbedrückungen. 1792 besaß Preußen die Ansbacher Lande und trug sich mit dem Gedanken, den ansbachische Teil von Mainstockheim, Neuses und Schemau an das Hochstift Würzburg zu vertauschen. Die Evangelischen erblickten hierin eine große Gefahr für die mühsam

errungene Religionsausübung. Sie wandten sich an den König von Preußen mit einem flehentlichen Bittgesuch, um den beabsichtigten Tausch abzuwenden.

Dieser unterblieb. Um sich gegen Würzburg zu schützen, erneuerte die evangelische Gemeinde durch einen förmlichen Übergab Brief vom 9. Februar 1797 die Übertragung ihrer kirchlichen Gerechtsame (jus examinandi, ordinandi, confirmandi, investiendi et corrigendi ihrer jedesmaligen Pfarrer) an den König von Preußen Friedrich Wilhelm, den damaligen Regenten des Fürstentums Ansbach.

 

Die Übergabe wurde angenommen mit Urkunde vom 15. Mai 1797. Die Gemeinde hatte von nun an das Recht, bei Erledigung der Pfarrei unter dreien vom Konsistorium zu Ansbach vorzuschlagenden Kandidaten frei zu wählen. Ferner wurde es ihr freigestellt, einen eigenen, von der Pfarrei Schemau abgesonderten Seelsorger zu haften. Im Jahre 1797 wurde von Neuses und Schernau Johann Siegmund Mauritii zum Pfarrer gewählt und von der preußischen Regierung zu

Ansbach bestätigt.

 

Weil er nicht in Würzburg zur Konfirmation präsentiert wurde, so erkannte ihn die bischöfliche Regierung nicht als Pfarrer von Neuses an. Sie verbot allen Würzburgischen und anfangs auch den halbmannschaftlichen Untertanen bei 30 Taler Strafe, eine kirchliche Handlung von genanntem Pfarrer verrichten zu lassen.

Einige Würzburger Untertanen übertraten im Vertrauen auf den zugesicherten Schutz der preußischen Regierung dieses Gebot und wurden in Strafe genommen. Diese wurde nachsichtlich und gerichtlich beigetrieben. Ansbach ordnete Repressalien gegen Würzburg an, erhob die erpressten Strafgelder aus den Würzburger Gefällen im Ansbacher Gebiet und gab sie den Bestraften bzw. dem Gotteshaus wieder zurück, aus dem sie entnommen worden waren. Würzburg unterließ seine Zwangsmaßnahmen. Als endlich Bayern das Hochstift Würzburg erhielt, war allem Hader und Streit ein Ende gemacht.

 

Trennung der Pfarrei Neuses von Schernau, und Wiederherstellung derselben als eine selbständige Pfarrei 1821.

 

Mauritii war 31 Jahre hier und wurde 1824 Dekan in Kleinlangheim. Bei der Wiederbesetzung der Pfarrstelle kam es zwischen Schemau und Neuses zum Streit.

Den letzten Pfarrsitz hatte Schemau, der Ordnung nach musste ihn nun Neuses erhalten. Gleichwohl verlangten ihn die Schernauer, weil sie mehr Besoldung

leisteten als Neuses.

 

Auch konnte man sich nicht über die Wahl der drei vorgeschlagenen Pfarrer einigen. Schernau trug auf förmliche Trennung an. Nun wurde auch Neuses gezwungen, einen eigenen Pfarrer zu halten. Es fehlte aber an den Mitteln zur Besoldung. Da schossen die Glieder der Gemeinde ein Pfarrkapital von 1498 fl zusammen. Nachdem unter der Regierung Maximilians Joseph der von Schemau gestellte Trennungsantrag abgeschlagen war, wurde unter Ludwig I. durch königliches Dekret

vom 25. Dezember 1827 die Trennung ausgesprochen. Neuses und Schemau wurden selbständige Pfarreien.

 

Die Pfarrbesoldung für Neuses wurde auf 500 fl festgesetzt. So wählten die Evangelischen im Jahre 1828 nach

177 Jahren zum ersten Mal wieder ihren eigenen Pfarrer und zwar wurde Wilhelm Koch aus Aubstadt gewählt.

 

 

Anmerkung:

Der Text stammt aus Neuseser Familienbesitz. Autor und Jahr der Niederschrift sind nicht bekannt.

Übertragen von Frau Walburg Dönges

 

 

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